Safari im Tsavo East Nationalpark

20 Mrz 2022Afrika bis 70, ontheroad

und Krokodile auf Abruf

im Hinterland des Galana Rivers

 

Nach meinem Besuch in Mwanza beim Galana River School Project blieb ich weiterhin auf der Nordseite des Galana Flusses und tastete mich auf einer einsamen Piste, wo mir auf der Fahrt kein einziges Auto begegnete, im Hinterland an den Tsavo East Nationalpark heran. Immer noch habe ich ein bisschen ein mulmiges Gefühl, wenn mir so gar niemand begegnet, aber hier wüsste ich zumindest, dass Markus und Birgit nicht allzu weit weg wären im Falle einer Panne. Allerdings gibt es schon ein paar wenige Ansiedlungen in der Nähe des Flusses und die kleinen Motorradtaxis fahren überall.

Vom Galana River Schulprojekt auf Piste zum Tsavo East Nationalpark

Eine langanhaltende Dürre geißelt Kenia

Die niedrige Dornbuschsavanne ist sehr trocken, auch dieser Teil von Kenia leidet seit Jahren unter einer extremen Dürreperiode. Die lebensfeindliche Umgebung auf beiden Seiten des eigentlich permanent Wasser führenden Galana River war ein Grund zur Einrichtung der Tsavo Nationalparks, des größten Wildschutzgebiets in Kenia.

Karte der Tsavo Nationalparks

Außer dem Galana River, der sich aus dem Zusammenschluss des Athi und Tsavo Rivers bildet und dem Voi River, gibt es im Park nur wenige natürliche Gewässer. Solche unwirtlichen Gegebenheiten begünstigen den Lebensraum für Wildtiere, die sich im Gegensatz zu Nutztieren gut an diese nachteiligen Lebensverhältnisse anpassen können.

Auf dieser Karte aus dem Wikipedia Artikel über den Tsavo könnt ihr gut die Lage und Größe der Tsavo Parks erkennen.

©Von Lencer – own work, background created with Google Maps

Kurz vor dem Gebiet des Nationalparks überquere ich wieder den Galana River, diesmal auf einer durch Brücken-Baustellenarbeiten verschandelten unspektakulären Furt im felsigen Flussbett. Beidseitig überwacht von einer Schranke darf man keine Fotos machen. Brückenarbeiten sind halt doch immer noch Geheimnisse. Als der zweitgrößte Fluß Kenias ist der Galana River mit seinem über lange Strecken breiten und sandigem Flussbett ein sehr unberechenbarer Fluß. Schwere Überschwemmungen ändern immer mal wieder seinen Lauf und machen Brückenarbeiten an den wenigen geeigneten Stellen sehr aufwendig.
Nun liegt nördlich des Flusses die Galana River Conservancy, ein privat organisiertes Wildschutzgebiet, ich aber fahre auf der anderen Seite nahe des Ufers weiter Richtung Eingang des Nationalparks.

 

Die Planung meines Übernachtungsplatzes

Es ist schon Nachmittag und die Suche nach einem Übernachtungsplatz ist angesagt. Ich habe vor erst am Vormittag des nächsten Tages in den Nationalpark fahren, da ich eine Nacht auf der als sehr schön beschrieben öffentlichen Campsite im Park übernachten möchte, um am darauffolgenden Tag noch genug Zeit zu haben, aus dem Park durch ein nördlicheres Tor wieder hinaus zu fahren. Die Eintrittsgebühren für die Nationalparks sind relativ hoch in Kenia und gelten für jeweils 24 Stunden. Man muß seinen Aufenthalt daher sehr gut planen.

So lande ich im Swara Camp am Ufer des Galana Rivers. Es ist eigentlich ein sogenanntes „Tented Camp“, ein Camp mit festen Safarizelten. Es gibt keinen offiziellen Campingplatz auf dieser Seite vor den Toren des Parks. Aber es herrscht immer noch Touristenflaute und ich kann neben einem Zelt direkt am Ufer mein Lager aufschlagen. Im Zelt habe ich Toilette und Dusche, einen Komfort, den ich nach langen staubigen Tagen sehr zu schätzen weiß. Mit den Aufpassern im Camp einige ich mich auf einen Preis, der natürlich in deren eigene Taschen fließt.

Blick vom Swara Camp auf den Galana River
Meine Campsite im Swara Camp

Vollmondnächte in der Wildnis

So verbringe ich die Nacht vor dem Vollmond dort am Ufer des Galana Rivers. Wieder habe ich meinen Aufenthalt für die Tage des Vollmonds so geplant, dass ich die hellen Nächte in einem speziellen Gebiet bin, in dem ich erstens den Vollmondaufgang gut verfolgen und auch ggf in der Nacht bei Mondschein Wildtiere bei offenen Hintertüren direkt von meinem Bett aus beobachten könnte.

Mein Spaziergang am Ufer zum Sonnenuntergang, den ich in einem kleinen Doumpalmenhain fotografiere, findet ein jähes Ende, als mir die aufgeregten Zeltcamp-Wächter dorthin folgen und mich nicht alleine weitergehen lassen wollen. Zu gefährlich sei es, denn es gäbe zu viele wilde Tiere hier in der Gegend.

Aber grade deshalb bin ich hier

 

Nur nicht zu Fuß und nicht alleine. Ich weiß es, aber die Versuchung war zu groß …

Sonnenuntergang am Galana River im Doumpalmenwäldchen

Von einem Reisefreund bekomme ich den Tip, mir doch mal das kurz vor dem Eingang zum Nationalpark gelegene Crocodile Camp anzusehen. Es ist zwar ein bedeckter Morgen und das Licht nicht gerade ideal zum Fotografieren, aber es erwartet mich doch ein besonderes Spektakel dort. Das Camp ist genauso wie das Swara Camp völlig ohne Gäste und der Caretaker führt mich herum.

Wie locke ich ein Krokodil aus dem Wasser?

🐊

Der Galana River fließt mit seinem niedrigen Wasserstand träge fast direkt unter der Terrasse der Anlage vorbei. Es ist immer noch morgenkühl und bedeckt. Nichts tut sich im schlammigen Uferbereich. Auf der anderen Flußseite kommen ein Stück flussabwärts die ersten Zebras zum Trinken und eine feine schleierhafte Staubwolke kündigt etwas weiter flussaufwärts eine große Büffelherde an. Auch sie streben zur einzigen Wasserquelle weit und breit.

Doch nun führt mir der Caretaker seine Tricks vor. Mit ganz bestimmten Lauten, dumpfem Klatschen und Rufen bringt er 2 massive Krokodile dazu, sich langsam aus dem Wasser und auf den sandigen Uferbereich zu schieben. Diese urzeitlichen Wesen haben einen ganz besonderen furchteinflößenden Gang und können sich eigentlich viel schneller bewegen, als ihre imposanten Körper es vermuten lassen. Besonders im Wasser, in ihrem Element, sind sie unschlagbar und niemals zu unterschätzen was das unsichtbare Anpirschen und schnelles Zuschlagen anbetrifft.

Diese zwei Vertreter lassen es gemütlich angehen, als wenn sie fragen wollten: „Und was gibt es heute morgen?“ Früher wurden hier regelmäßig Krokodileier für eine Krokodilfarm gesammelt und ein bestimmtes Kontingent von auf der Farm aufgezogenen Jungtieren wieder in die Freiheit des Galana Rivers entlassen. Krokodile können sehr alt werden und haben wie Elefanten ein ausgeprägtes Langzeitgedächtnis und vielleicht sind diese zwei Exemplare ausgewilderte Jungtiere von damals, die die Lockrufe zur Fütterung immer noch im Sinn haben, obwohl sie hier schon lange nicht mehr gefüttert werden. Mittlerweile wird das Anfüttern von Wildtieren an vielen Plätzen als umethisch betrachtet, aber es schadet ja nix, erst mal angekrochen zu kommen.

So komme ich in den Genuß eines besonderen Schauspiels

Schaut Euch gerne meinen kleinen Film zur Umgebung und den neugierigen Krokos an.

Nun aber der Tsavo East Nationalpark

 

Ich bin ja ein absoluter Fan der afrikanischen Wildnis und der Tierwelt. So gönne ich mir immer wieder trotz der hohen Eintrittspreise einen Nationalpark. Es ist nichts los am Eingang und das Einchecken geht ganz schnell. Bezahlen kann man entweder mit Kreditkarte oder dem mobilen Geld, mPesa oder Airtel Money. Ich nutze mPesa und gut organisiert wie der Park mir scheint, mache ich auch ein Foto der am Schalter ausgestellten Kontakt Telefonnummern im Falle einer prekären Situation im Park.

Das Sala Gate zum Tsavo East Nationalpark
Tsavo East Kontaktpersonen

Als alleinreisende Frau habe ich es mir angewöhnt, immer am Eingang eines Nationalparks Kontaktnummern entweder eines Rangers oder einer Person im Büro aufzuschreiben. Diese Praxis hat mich schon einmal aus einer misslichen Situation befreit, als ich in einem Park hoffnungslos im Schlamm stecken geblieben bin und mir so Hilfe herbei telefonieren konnte.

Willkommen im Theater der Wildnis steht am Eingang, aber ich …

Oh nein, gleich die erste Panne

 

Und wie’s der Teufel so will, trifft mich schon nach den ersten Kilometern auf der furchtbar mit Wellblech malträtierten Hauptpiste in den Park ein Unheil.

Eine Abfangstrebe meines Dachgepäckträgers bricht aus ihrer total verrosteten Verankerung und durch das Wellblech schlägt nun bei jedem Hubel Metall auf Metall. Ein ganz und gar ungesundes und nerviges Geräusch. Zwar ist mein Dachgepäckträger ziemlich stabil, trotzdem ist es nicht schön anzusehen, wie diese Strebe auf der rauen Piste dauernd hin und her schubbert.

Ausgerissene Dachstrebe am Toyota
Reparatur der ausgebrochenen Dachstrebe mit Gummi

Ein Gummiband aus altem Reifenschlauch 

… würde ganz Afrika zusammenhalten, sagt man. Und meine improvisierte Hausfrauen Reparatur sieht zwar nicht hoch professionell aus, aber sie tut was sie soll. Das nervtötende Geräusch des kreischenden Eisens wird abgemildert. Nur leider kann ich jetzt auf der etwas langweiligen wellblechigen Hauptpiste nicht mehr so schnell vorankommen wie ich möchte. Ein bisschen fahre ich wie auf rohen Eiern und ärgere mich, dass das genau am Anfang passieren musste.

 

Wellblech zerlegt jedes Auto

… und wer es je gefahren ist, weiß wie zerstörerisch es auf alle Fahrzeugteile einwirken kann. 

So humple ich mehr oder minder langsam immer mit Aussicht auf den Galana River entlang.

Piste entlang des Galana Rivers im Tsavo East Nationalpark

Noch eine Verzögerung

An einer Abfahrt zum Flussufer sehe ich schon von Weitem einen großen Schulbus stehen. Beim Näherkommen realisiere ich, dass er die Einfahrt blockiert. Mit seinem Unterboden festsitzend auf einer Bodenwelle gibt es kein Vor oder Zurück. Ich halte an und frage ob ich helfen kann.
Ja, ich könnte versuchen sie über die Bodenwelle hinweg zu schleifen.
Ich empfinde es als aussichtslos im Angesicht der wie auf einer Wippe sitzenden Busses, aber ich hole mein Abschleppseil raus und will es versuchen. Schwupps springen als Erstes alle Kinder, die neben dem Bus im fast nicht vorhandenen Schatten saßen, wieder in den Bus in Erwartung einer fröhlichen Rutschpartie. Ich scheuche sie alle wieder raus, der Bus ist auch ohne Passagiere schon schwer genug für meinen Toyo.
Wurde leider nix, ohne Allrad und bei dem Gewicht, bewegen sich weder der Toyo noch der Bus einen Zentimeter. Klappspaten raus, aber Abtragen kann man die steinharte Bodenwelle auch nicht.
Zum Glück kommt in diesem Augenblick ein leeres Safariauto vorbei, der Fahrer wirkt etwas großspurig und meint es sei alles kein Problem. Ich denke mir meinen Teil, packe meine Sachen wieder ein und fahre weiter. Später höre ich, daß der Bus für eine spätere Bergung stehen gelassen wurde und die Kinder mit kleineren Autos zu ihrer Unterkunft gefahren wurden.

Jetzt ist es schon Mittag und ich bin immer noch am östlichsten Ende des Parks, eigentlich genervt habe ich noch über 100 km vor mir. Jetzt passt es mir gar nicht, dass die beiden Tsavo Parks die größten Wildschutzgebiete in Kenia sind und die öffentliche Campsite so weit entfernt.

Immerhin belohnt mich der zweitgrößte Fluss Kenias mit einigen wunderschönen Ausblicken auf seine palmbestandenen Ufer. Die Doumpalmen Wäldchen gedeihen hier dicht und prächtig und geben schattige Rastplätze für eine verspätete Mittagspause ab. Elefanten lieben ihre reifen Früchte.

Toyo im Doumpalmen-Wald im Tsavo East

Die Lugard Fälle

 

Endlich, es ist schon heissester Nachmittag, erreiche ich die Verengung am Galana River wo er sich durch harte Felsbarrieren vulkanischen Ursprungs einen Weg mit kleinen Wasserfällen und Stromschnellen gebahnt hat. Hier gibt es auch eine Brücke, die unter sehr schwierigen Umständen gebaut wurde, wie hier nachzulesen ist.

Interessant sind auch die Gerüchte zur Namensgebung dieser Landmarke im Tsavo East Nationalpark. Sie sind benannt nach Frederick Lugard, dem ersten Prokonsul von British Ostafrika, angeblich weil er hier auf einer seiner Reisen von einem Krokodil gebissen wurde, bzw in den Fluß gefallen ist.

An den dortigen Aussichtspunkten kann man sich die Füße vertreten und mal ein paar Schritte laufen, wie in jedem Nationalpark, darf man sonst sein Fahrzeug nicht verlassen.

Brücke über den Galana River hinter Selfie
Tsavo East Aussichtspunkt Crocodile-Point mit Toyo

Ausgedehnte Grasebenen erlauben einen weiten Blick

 

An den Lugard Falls ändere ich meine Richtung und fahre wieder gegen Süden. Je weiter ich mich vom Fluß entferne, desto mehr färbt sich die Erde rot in die typische Farbe des eisenhaltigen Sandes für die die Tsavo Nationalparks berühmt sind. Der Busch wird lichter und Tiere, wenn sie denn da wären, wären gut zu sehen. Sie sind natürlich alle da, aber ich war schon in Nationalparks mit einer wesentlich höheren Tierdichte als hier im Tsavo East. Wobei man auf Grund der weiten Ebenen im Tsavo East besser Wildtiere beobachten kann, als im zwar landschaftlich schöneren, aber dafür mit viel dichtem Busch bedeckten Tsavo West.

Aber der Toyo macht sich auch ganz gut als Fotoobjekt und passt farblich perfekt in die afrikanische Savanne.

Weitblick garantiert

Farbe passt!

Die roten Elefanten des Tsavo Nationalparks

 

Berühmt sind die beiden Tsavo Nationalparks für ihre roten Elefanten. Sie haben natürlich im Grunde genommen die gleiche Farbe wie alle anderen Elefanten auch, aber durch das permanente Wälzen und Suhlen im roten Schlamm und das sich anschließende Bepudern mit dem rötlichen Sand färbt sich ihre Haut bald permanent rostrot. 

Aber wie ihr im nachfolgenden Film sehen könnt, ähneln die Elefanten, die sich hauptsächlich in der Nähe des Galana Rivers aufhalten eher den bekannten grauen Riesen, weil sie ihre Staubbäder im helleren Flußsand nehmen.

Viele Tiere tummeln sich an der Pipeline Road

Erst am späteren Nachmittag erreiche ich die sogenannte Pipeline Road, eigentlich eine Wartungspiste für die insgesamt 220 km lange Wasserleitung, die über 40 km lang das Wasser einer wunderschönen und ergiebigen Quelle, den Mzima Springs im Tsavo West, am Rande innerhalb des Tsavo East in Richtung Mombasa transportiert.

An einigen Stellen haben sich die Elefanten, die Wasser auch durch den Boden und über weite Distanzen aufspüren können, bis auf die dicken Rohre durchgegraben. An undichten Stellen und Lecks entstanden so künstliche Wasserlöcher. Da der Tsavo in diesem Bereich sonst nicht sehr wasserreich ist, sind sie oft die einzige Wasserquelle weit und breit. Dementsprechend findet man in ihrer Nähe eine reichere Tierwelt als in der trockenen Savanne. Ich konnte nach einem heißen Tag am späten Nachmittag entlang der Pipeline besonders viele der roten Elefanten bei ihren Wasserspielen beobachten.

 

Eine Minute Fahrt durch den Tsavo East

Fahrt doch einfach noch ein bisschen mit durch die Linse meiner Dashcam durch den Tsavo East in der Gegend um Voi.

Ndololo Campsite, ein Platz in der Wildnis

 

Im letzten Licht erreiche ich den offiziellen öffentlichen Campingplatz in den Galariewäldern entlang des Voi Rivers. Uneingezäunt wie alle Campsites in Ostafrika unter vielen schattigen Bäumen gelegen.

Das wäre eigentlich ein Platz wo man gut und gerne mehrere Tage einfach nur auf der Campsite verbringen könnte. Die Tiere könnten hier frei durchwandern. Aber leider sind dafür die Preise einfach viel zu hoch. So heißt es nur schnell auspacken, ein bisschen herumliegendes Feuerholz sammeln, um damit das bereits vorgekochte Essen mit meinem kleinen Holzkocher an der Feuerstelle aufzuwärmen und leider fällt zwischen den Bäumen auch der mit Spannung erwartete Vollmondaufgang in der Wildnis flach.

Ndololo Campsite im Tsavo East Nationalpark

Ansonsten ist wie auf vielen staatlichen Nationalparks Campsites alles ziemlich heruntergekommen. Fließend Wasser in Dusche oder Toilette funktionieren nicht. Unter einem Wasserhahn an der Wand stehen aber mehrere Eimer und kleinere Gefäße, ein Hinweis auf Eimerspülung und Eimerdusche. Da ich aber am nächsten Tag bereits vor Sonnenaufgang aufstehen möchte, um früh unterwegs sein zu können, ist die Zeit am Abend eh knapp bemessen und somit alles schnell erledigt.

Ich sitze noch ein bisschen an meinem kleinen Feuer und als sich das Vollmondlicht endlich durch das Blätterdach schiebt, liege ich schon bei offenen Hintertüren in meinem Toyobett und kann nur hoffen, dass ich wach werde wenn ein Elefant an den Büschen nascht.

 

Eine ruhige Nacht im Tsavo

 Zu meiner Enttäuschung passiert gar nichts während der Nacht. Kein umherschleichender Elefant, kein nahes Löwengebrüll oder verstohlene Hyänen, die man auch sehr oft an solchen Plätzen vorfindet. Ich stehe um 5 Uhr noch im Dunkeln auf, leuchte mit einer starken Taschenlampe erstmal die Umgebung ab und mache mich und den Toyo fertig zum morgendlichen Gamedrive, wie die Pirschfahrten im Safarijargon genannt werden. 

Da ich absolut kein Frühaufsteher bin, wird mir hier jedesmal der Nachteil eines mobilen Campingaufbaus bewusst. Ich muss jedesmal alles vollständig wieder einpacken, denn eigentlich kann man an solchen Campingplätzen in der Wildnis nichts ungesichert stehen lassen. Über den Tag hinweg ziehen mehrere Affenhorden durch die Campsite und öffnen, bzw zerstören alles, was nicht niet- und nagelfest ist. In manchen Parks geht es sogar soweit, dass Zeltplanen aufgerissen werden, um ins Innere und an evtl Fressbares zu kommen. Und Elefanten stehen den Pavianen oder Meerkatzen in nichts nach, sobald sie den Geruch reifen Obstes, speziell Zitrusfrüchte oder Mangos wittern, stellt auch eine Autoscheibe oder eine verschlossene Metallklappe kein Hindernis dar. Auf einigen Plätzen gibt es deshalb extra Gebäude oder Gitterboxen wo man seine Vorräte sicher lagern kann.

 

Ein klassisches Motiv versüsst mir den Sonnenaufgang

Geniesst doch ein bisschen mit mir die Morgenstimmung im Busch mit dieser neugierigen Giraffe, die sich für mich sehr pittoresk postiert hat.

Ansonsten verläuft mein Morgen eher unspektakulär. Die Wasserstellen entlang der Pipeline Road sind leer. Die Elefanten nutzen die kühle Morgenluft noch zur Futtersuche im entfernteren Busch und Raubtiere, die man ganz speziell gut am Morgen antreffen kann, sind auch keine da. Wie ich nun so an der Parkgrenze entlang fahre, fällt mir auf, wie nahe die Zivilisation doch hier bei Voi an den Park herangewachsen ist. Im Morgendunst sieht man Besiedelung an den Hügelhängen und teilweise blitzt auch der Nairobi-Mombasa Highway, bzw die neue Strecke der Bahnlinie entlang des Parks durch den Busch.

Bedingt durch meinen gebrochenen Dachgepäckträger will ich in Voi, dem einzigen größeren Ort nahe an den Tsavo Parks zur Reparatur Station machen und muss daher eine weitere Strecke durch den Park Richtung Norden ausfallen lassen.

Elefant am Rande des Tsavo East Nationalparks

Die menschenfressenden Löwen des Tsavo East

Diese Bahnstrecke entlang des heutigen Nationalparks kam zum Ende des 19. Jahrhunderts zu trauriger Berühmtheit als beim Bau der Brücke über den Tsavo River sich 2 männliche Löwen auf Menschenjagd machten. Es gibt mehrere wunderbar spannende alte und neue Filme zu diesen Ereignissen und auf Wikipedia auch interessante Hintergrundinformationen und neuere wissenschaftliche Erkenntnisse dazu.

All solche Geschichten machen es immer wieder spannend in den letzten Wildnissen in Afrika unterwegs zu sein. Und zum Glück gibt es sie noch, diese Landstriche. Leider werden sie immer weiter von dem explodierenden Bevölkerungswachstum bedrängt. Ich kann nur hoffen, dass sie auch durch meine mit Zähneknirschen angesichts der Preise abgegebenen Eintrittsgelder auch noch für die nächsten Generationen bestehen bleiben.

 

Eine Safari in Afrika

Safari im Tsavo East Nationalpark

… ist immer eine lohnende Investition in den eigenen Erinnerungshorizont. Mich fasziniert diese ursprüngliche Wildnis und ich nehme Dich gerne mit auf meine Entdeckungsfahrten.

 

Und wenn man mal nicht weiß wo es lang geht – Hilfe ist immer da

😂

Schau doch mal was Du sonst noch von mir finden kannst …

... und meinen aktuellen Standort sowie meine gefahrene Route siehst Du mit vielen Fotos und Kommentaren auf Polarsteps.

PS: Wenn Dir mein Beitrag gefallen hat, dann hinterlasse mir doch einen netten Kommentar.
Du weißt ja, viele Kommentare sind das Trinkgeld für die Authorin, ich freu mich genauso wie Google.
😇🙏🏻🧡

6 Kommentare

  1. Raimond Capel

    Toll, einfach toll. Safe travels.

    Antworten
    • Lilli Mixich

      Dankeschön Raimond
      Ich freu mich immer wenn meine Geschichten gefallen.
      Alles Gute Dir
      Lilli

      Antworten
  2. Theo (Zambia)

    Sehr schöne eindrucksvolle Fotos und Filmchen, besonders der von den roten Elefanten. Gute Reise Lilli, auf das der Toyota-Geist Dich immer fahren lässt

    Antworten
    • Lilli Mixich

      Danke lieber Theo
      Ja das mit den Filmen zusammenstellen hab ich jetzt einfach mal angefangen und auch da klappt es immer besser. Schön, dass sie Dir gefallen. Bin leider schon wieder an Toyos Elektrik dran. Jetzt habe ich für teures Geld einen überarbeiteten Scheibenwischer Motor bekommen, aber kaum lief er, gab es einen Kurzschluss in der Verkabelung und die Geschwindigkeiten stimmen auch nicht. Ein Drama. Auf ein Neues morgen …

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  3. Jürgen Ender

    Liebe Lilli, leider noch für geraume Zeit im hohen deutschen Norden. -ich hoffe gegen Jahresende wieder nach Kenia kommen zu können- bin ich dank deiner Berichte, Filme und Fotos mit dem Herzen jetzt schon da… Dir wünsche ich weiterhin muntere und erlebnisreiche Tage und Wochen, noch in Kenia, bald dann aber in Uganda und vielleicht klappt‘s mit einem Wiedersehen. Beste Grüße und Ahoi!!! Jürgen

    Antworten
    • Lilli Mixich

      Ach lieber Jürgen, bei Dir wird es jetzt wenigsten Sommer. Hier wird es immer kälter und ungemütlicher. Aus dem südlichen Afrika kommen immer mehr Berichte über einen richtig kalten Winter diese Saison. Deshalb reisen wir eigentlich nicht in Afrika. Aber was soll’s, es gibt ja kein schlechtes Wetter nur die verkehrte Kleidung. Ich bin einfach noch zu faul meine wärmeren Sachen rauszuholen. Ich würd mich auf jeden Fall sehr freuen, wenn wir uns nochmal auf diesem Kontinent wiedersehen. Machs gut und gute Besserung weiterhin.

      Antworten

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