und unerwünschte Untermieter – 

Manchmal muß man einfach hart durchgreifen 

So ein vollbepackter Camper mit allen Grundnahrungsmitteln, die man für eine gute Küche braucht ist einfach eine zu große Versuchung. Und die Plagegeister wissen natürlich genau, in einem fahrenden Supermarkt gibt es immer was zu holen.

Besonders auf beliebten Campingplätzen richten sie es sich gemütlich ein, zwischen Felsen oder in hohlen Bäumen finden sie gute Verstecke und bevor man sich jetzt mühsam in der Nacht in die doch überall für so ein kleines Tierchen gefährliche Wildnis wagt und auf Futtersuche geht, kommt doch ein „geschützter“ Raum gerade recht.

Mein Kampf mit Campsite Ratten 🐀

Gerade angekommen auf der Twiga Lodge Campsite an der kenianischen Küste des Indischen Ozeans mache ich wieder eine bekannte Erfahrung wie schon

mein jüngeres Selbst vor mehr als 30 Jahren.
Kenia Twiga Lodge Obstverkäufer 1988

Kaum stehe ich ein paar Tage, kaufe frisches Obst und Gemüse direkt von den Verkäufern am Strand und genieße dieses kleine Paradies birgt der Morgen eine unschöne Überraschung.

Mangos haben es ihr angetan, 2 meiner 3 wunderschön großen neu gekauften sind angefressen. 

Ich habe nichts gehört in der Nacht und da die Fraßstellen ziemlich groß sind, tippe ich erst auf ein Buschbaby. Diese klauen auch, wenn sie es erst einmal gelernt haben. Und wie oben geschrieben, gut frequentierte Plätze bieten viele Lernmöglichkeiten.

Lesser Bush Baby

Praktisch aber noch nicht ausgereift

Meine zweckdienlichen einklemmbaren Fenstergitter für die Seitenscheiben sorgen zwar für eine gute Durchlüftung in heißen Nächten, sind aber auch eine super Eintrittspforte für Tierchen jeglicher Art, die dort durch die Öffnungen passen.

Fenstergitter im Toyo

Ok, wir wissen nun es muß ein guter Kletterer sein, denn mein Obst lag direkt auf dem Beifahrersitz unter diesem Gitter, zwar abgedeckt mit luftigen Tüchern, aber die stellen ja kein Hindernis dar. Um ein Bush Baby abzuhalten dürfte das Schließen der vorderen Fenster genug sein.

Nächster Morgen, kein Erfolg, die nächste Mango und eine Banane sind diesmal Opfer. Jetzt tippe ich auf Ratte oder Maus, die können überall reinkommen.

Was tun ? Was hat sich bei mir bewährt ?

Lebendfallen

Anfangs hatte ich noch diese Lebendfallen aus Draht dabei. Diese haben sich aber leider auf den afrikanischen Pisten nicht bewährt. Verbeult und schließlich in alle Einzelteile zerfallen musste ich sie entsorgen.

Klebefallen

In den afrikanischen Supermärkten gibt es Fallen mit großen Klebeflächen. Ich kann nur sagen, demjenigen, der je eine Ratte oder Maus über eine solche Fläche in seinem Camper hat laufen lassen und die nicht wie versprochen hängengeblieben ist, gratuliere zu der anschließenden Putzaktion. Dieser Kleber, der sich dann durch’s ganze Auto zieht, ist so ekelig und beständig und kann mit fast nichts entfernt werden.

Rattengift

Findet man auch ganz einfach in den Geschäften. Aber in einem Camper mit tausend Versteckmöglichkeiten hinter Verkleidungen, Sitzen etc in die sich das sterbende Tierchen eventuell verzieht, nicht ratsam. Ich möchte keinem Verwesungsgeruch im Auto nachgehen müssen. Und die Gefahr für die Umwelt ist auch nicht zu verachten. Wenn die Ratte oder Maus das Gefährt verlässt, wird sie draußen wahrscheinlich von einem anderen Tier gefressen, daß dann auch elendig an der Vergiftung stirbt.

Oder so machen wie die Einheimischen? Die Fallen, die die bauen scheinen ja ganz effektiv zu sein.

Selbstgebaute sehr effektive Rattenfalle

Immerhin findet man gelegentlich auf einem afrikanischen Markt im Hinterland schon mal eine Auswahl der lieben Tierchen für den Kochtopf und gleich mit den passenden Zutaten.

Ratteverkauf auf einem afrikanischen Markt
Na, für mich bleiben nur Schlagfallen

Es sind mehrere Arten von Schlagfallen, die ich schon in weiser Voraussicht seit Jahren mit mir herum fahre. Wobei ich auch hier meine Haltbarkeitstest durchgeführt habe. Holzfallen mit aufgenagelten Metallteilen zerfallen genauso schnell wie die Lebendfallen. Am besten bewährt haben sich Ganzmetallfallen, die mit den Jahren zwar rosten und unansehnlich werden, aber zumindest nicht so schnell kaputt gehen oder mit einfachen Mitteln repariert werden können.

Meine Rattenfallen

Und nun schaut mal nicht auf meine verrostete Motorhaube, sondern auf die total verrostete Falle rechts. Bei dieser ist diese kleine Nase zum Einklemmen des Köders schon abgefallen, aber mit dem durchgefädelten Draht kann man das Lockmittel wunderbar einklemmen.

Eben eine Reparatur auf afrikanische Art
Rattenfalle aus Plastik

Mittlerweile gibt es in Afrika die Schlagfallen auch in Plastik zu kaufen, „think big“ in türkis eine für Ratten.

Die kleine Ausführung für Mäuse habe ich schon in meinem Fallensortiment und ich stelle immer alle Fallen auf, man weiß nie, welche wo an welcher Stelle und am besten funktioniert.

Größenvergleich Ratten- und Mausefalle

Aber zurück zu meinem unliebsamen nächtlichen Besucher auf der Twiga Lodge in Tiwi Beach in Kenia.

Die nächsten Nächte wird also mein Fallensortiment aufgestellt. Ich weiß ja immer noch nicht, was es ist und so probiere ich auch verschiedene Köder aus. Mäuse stehen auf Erdnußbutter oder Nutella (hab ich leider nicht in meiner Küche, und wenn ich es hätte, dann wär es schnell aufgegessen). Ratten haben einen größeren Appetit und es geht gut mit Käse, Speck, Obst oder Gemüsestücke. Diese Ratten hier standen aber besonders auf Mango und Banane. Schön reif und aromatisch.

Obst von Ratten angefressen

Aber, an den darauffolgenden Tagen finde ich morgens die Fallen nur leergefressen.

Zweimal löst in der Nacht eine Mausefalle aus und ich springe aus dem Bett um nach vorne zu eilen und den Übeltäter zu stellen. Pustekuchen!

Fallen leer, Mistvieh verschwunden !!!

Dies ging noch Tage so weiter. Der Eindringling war einfach zu clever in die Fallen zu gehen. Weiß scheinbar was ihm blüht. 

Das Aufstellen der Fallen ist übrigens auch eine Wissenschaft für sich. Mäuse und Ratten lieben enge Gänge. Also am besten die Fallen so aufstellen, daß sie von beiden Seiten zwar eng begrenzt sind, aber dennoch die Schlagvorrichtung, die sehr fein justiert und leichtgängig sein sollte, nicht behindert ist.

Und noch einen Trick habe ich jetzt gelernt. Die Schlagfallen auf eine kleine Erhöhung stellen, ein Glas oder eine Dose. Da stehen sie zwar kippelig, aber der neugierige Mitbewohner will da hoch und schwupps, löst die Falle aus.

Nur wenn man Glück hat, sind die Tiere gleich tot in der Schlagfalle. Das wäre natürlich die humanste Art der Tötung. Aber oft geraten sie nur mit Körperteilen in die Falle und leben noch.

So fing ich eine Ratte auf einem Campingplatz in Uganda und die Arme zappelte noch erbärmlich in der Falle. Mitten in der Nacht begab ich mich dann auf die Suche nach dem Nachtwächter, den ich schließlich auch fand, wach, wohlgemerkt, und dieser machte dann mit einem Stiefeltritt kurzen Prozess.

Ein anderes Mal war es eine kleine Maus auf einer großen Farm. Aussichtslos dort in der Nacht jemand zu finden weil ich es nicht übers Herz bringe sie zu töten um sie von ihren Verletzungen zu erlösen. Die ganze Nacht dem Gezappel und Geklappere der Falle zuzuhören ist auch nicht das Wahre. So legte ich die Falle samt Maus neben meiner Beifahrertür draußen auf den Boden.

Das Ende vom Lied. Morgens – Maus weg, mitsamt der Falle. Mist, schade um die Falle, damals gab es die Plastikfallen in Afrika noch nicht zu kaufen.

Aber es gab auch andere Erfolgsmomente

Die aber nur in Australien. Liegt es an den Mäusen?

Eine Maus fand ich zufällig in einer Kiste als ich nach meinem Kochbuch schauen wollte. Zuunterst neben dem „Good Housekeeping“ hatte sie sich verkrochen und schaute mich mit großen ängstlichen Augen an. Kann ja nicht an der guten Haushaltsführung liegen 😉

Zum Glück stand die Kiste ganz vorne und sie sprang über meine Beine, ich war natürlich wie gelähmt – also „schlagfertig“ bin ich auch nicht – hinaus ins Freie und wart nie mehr gesehen

Maus in der Kiste

Das mit der Lähmung ist mir übrigens schon 2 x vorher passiert, einmal meinem jüngeren Selbst als plötzlich während der Fahrt eine Maus aus dem Armaturenbrett im Landy hervorkam und auf meinen Schoß sprang und über meinen Arm hinweg nach hinten flitze. Meine Hand lag wirklich nur Zentimeter daneben und hätte nur zuschlagen müssen, aber 😟

Das nächste mal dann Jahre später im Toyo. Ratte wiggelt sich hinter meinem Kopfkissen durch, ich fühle es noch und denke das muß was größeres sein, da erscheint sie auch schon in dem Spalt zwischen Matratze, Moskitonetz und Seitenblech. Da ist nicht viel Platz, wenn man schnell genug wäre, aber die Lähmungsfaszination setzte wieder ein und schwupp, war sie wieder in den Tiefen unter meinem Bett verschwunden. Und dieses Monster hat mein ganzes schön vakuum-verpacktes Schwarzbrot angefressen, Packung für Packung. Natürlich nicht oben, wo man es gut sehen und ggf noch essen könnte, nein, hinterhältig wie sie sind, schön am Boden. Da bemerkt man es erst, wenn der Schimmel in der Packung hochwächst.
Und wer je in Afrika gereist ist, weiß was für ein Heiligtum heimisches Schwarzbrot für einen Brotliebhaber ist. Das mag man nicht teilen 🐀

Niedlich ist das nicht mehr, wenn man mit so einem ungebetenen Gast unfreiwillig zusammen leben muß.

Ebenso hatte sich eine andere Maus oder Ratte in Australien auf das gute Ryvita Knäckebrot spezialisiert und ging in keine Falle. Letzte Möglichkeit: Knäckebrot im Eimer mit Deckel auf dem Dach, in der Nacht eine Türe offen und ein angelegtes Brett mit Knäckebrot Stückchen in Abständen nach draussen belegt. Das war die Lösung und half …

Schön war’s bei dir, ich schau mich dann mal woanders um.

Das hat mein kürzlicher Plagegeist wohl auch gemacht, denn plötzlich war Ruhe und das mittlerweile besser verstaute Obst blieb unangetastet. 2 Wochen ging es gut, aber dann startete das Spiel von neuem. Diesmal wurde sogar die Plastikkiste angenagt in der die Mangos lagen. Ich hörte ein Poltern in der Nacht, gefolgt von einem deutlich hörbaren Knabbern. Raus aus dem Bett fand ich nur die Plastikkiste und die Mango angefressen. Aber am nächsten Morgen entdeckte ich dann das ganze Ausmaß. Das Poltern war eine Kartoffel, rausgezerrt aus der Kiste, die ich zusammen mit Zwiebeln von anderen abreisenden Touristen geschenkt bekommen hatte. Sie lag fast ganz aufgefressen im Fußraum.

Eine halbe Mango und fast eine ganze Kartoffel, die muß ja richtig ausgehungert sein.

Nun reicht es, manchmal schlagen alle Versuche es auf eine gütliche Art zu lösen fehl!

Sofort wieder die Fallengeschütze aufgefahren. Alle mit Leckerlis bestückt. Mango, Tomate und Kartoffel – was gestern geschmeckt hat, schmeckt heute vielleicht wieder.

Und BINGO diesmal habe ich den Übertäter erwischt, fand sie aber erst am nächsten Morgen, als sie schon tot war. Zum Glück ging ich an diesem Abend erst spät in den Toyo, so habe ich das Drama nicht mitbekommen.

Lilli die Rattenfängerin der Twiga Lodge
Jetzt steht natürlich die große Frage im Raum:

War das ein Einzeltäter?

Oder muß ich nun mit der ganzen buckligen Verwandtschaft rechnen, die sich zum Leichenschmaus eingeladen fühlt?

Also stelle ich die nächsten 2 Nächte wieder die Fallen auf, aber diesmal bleibt alles unangetastet.

Was meinst Du? War das meine letzte Ratten oder Mausgeschichte oder muß ich diesen Beitrag zu einem Fortsetzungsroman umschreiben?

Und kannst Du Dich noch an mein größtes und kostspieligstes Rattendesaster bei Ankunft in Tansania erinnern? Wenn nicht, dann findest Du es hier.

Bleib dran, das sind die wahren Reisegeschichten, die das Vanlife so spielt

Ich freu mich auf Deine Kommentare und Erfahrungen mit Mäusen, Ratten oder ähnlichem Getier.

Die Ratten Verwandtschaft
Nachtrag

Tja, was soll ich sagen, die Verwandschaft ist doch noch aufgetaucht und in den darauffolgenden Wochen habe ich noch 2 weitere Eindringlinge zur Strecke bringen müssen.

Die Tierschützer unter Euch mögen mir verzeihen, aber sie richten einfach zu viel Schaden an.

Man munkelt ja, ich hätte die Ratten mitgebracht 😉 aber ich glaube ich stehe nur an einer ungünstigen Stelle wo sie tagsüber gute Versteckmöglichkeiten in einem riesen Würgefeigebaum und Korallenfelsen haben.

Sie kommen mich nur einfach des Nachts besuchen und irgendwie muß ich ihnen klarmachen, dass mein Zuhause nicht ihres ist …

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