und Eintauchen ins Dorfleben – 

Ein neuer Beitrag startet bei mir mit einem Bild. 

Ich weiß, ich möchte über meine Fahrt entlang der Nordküste von Mombasa berichten. Dann schaue ich ich mir meine Fotos dieser Strecke an und welches mich am meisten anspricht wird dann das Betragsbild, weil es auch eine ganz besondere Ausstrahlung für mich hat.

Und das hat obiges Bild von Linet, der Näherin in einem kleinen Dorf namens Maweni, das Dörfchen in dem ich auf meinen täglichen Spaziergängen in der Kikambala Region nördlich von Mombasa so viele nette Begegnungen hatte.

Nach meiner Begegnung mit der anderen Linet im Zollbüro von Mombasa fahre ich also von Mombasa weiter Richtung Norden die Küste entlang. Es ist schon Nachmittag und so passt es ganz gut, dass gleich nördlich von Mombasa ein guter Platz in der App iOverlander zu finden ist.

Wie finde ich meine Übernachtungsplätze?

Oftmals mit iOverlander

Mit dem Aufkommen der Smartphones und ihren vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten gibt es auch für alles und jedes eine App (Application = Anwendung). So auch für Überlandreisende die nützliche Hinweise zu Übernachtungsplätzen, Werkstätten, Einkaufsmöglichkeiten, Grenzübergänge etc suchen. Hat man den jeweiligen Punkt zu dem man möchte dort in der Karte gefunden, kann man auf das kleine ℹ️ für Info klicken und sich am Ende der Informationen, die andere Reisende hinterlassen haben, auch mit einem Navigationsprogramm verbinden.

So gelangt man recht einfach an sein Ziel

Für Menschen wie ich, die alleine reisen, eine ideale Sache, zumal einem auch das Navigationsprogramm wie ein imaginärer Beifahrer Sprachanweisungen gibt, während Frau sich sehr auf den Verkehr und die anderen Gegebenheiten konzentrieren muss

Mein nächster Stopp ist also in Kikambala, einem Örtchen nahe Mtwapa nördlich von Mombasa

Bei Hedi und Uli im Garten der Edelweiß Lodge

Toyo im Garten der Edelweiß Lodge

Im Schatten unter uralten Bäumen läßt es sich gut aushalten

Ein Paradies im Garten

Hedi, die mittlerweile schon 85 Jahre alt ist hat sich hier zusammen mit Uli, ihrem Partner aus einem heruntergekommenen Haus mit einem großen vernachlässigten und verwilderten Garten ein kleines Paradies geschaffen.

Wir sind am Ende der kurzen Trockenzeit, der langersehnte Regen hätte schön längst kommen sollen, deshalb ist der Rasen nicht überall in dem riesen Garten frisch grün. Ich finde dennoch ein schönes meistens schattiges Plätzchen unter großen alten Bäumen.

Was mir auch sofort ins Auge springt ist der große Pool, der nach meinem langen ereignisreichen Fahr- und Einkaufstag in Mombasa eine unmißverständliche Aufforderung zuzwinkert. Ihn nutze ich in den kommenden Tagen auch noch reichlich aus, denn es ist doch ziemlich heiß tagsüber.

Mein erster Eindruck im Abendlicht

Auf der Pool-Terrasse ein Himmelbett zum Träumen

paradiesisch im Garten Paradies

Cool 😎 im Pool

Glücklich auf Welle 9

🏊🏼‍♀️ 😎 🏊🏼‍♀️

Die Küste dort war allerdings eine Enttäuschung

Gleich am nächsten Tag mache ich mich mit Reisebekanntschaft Reg, dem Musiker von der Twiga Lodge, der auch immer mal hier Station macht wenn er einen Auftritt an der Nordküste hat, einen Spaziergang an die Küste, die in wenigen Minuten zu erreichen ist. Die Edelweiß Lodge liegt also etwas zurückgesetzt vom Indischen Ozean in dritter oder vierter Reihe, bekommt aber immer noch gut Meeresbrise ab.

Nordküste Mombasa bei Kikambale

An diesem Stück Strand in Kikambala versperren große Hotelanlagen den Zugang zum Strand.

Wir kommen am Ende des öffentlichen Weges erst mal an ein paar verwahrlosten Beachbars vorbei, um uns dann bei Flut entlang der eingemauerten, mit Steinbollwerken befestigten und Stacheldraht eingezäunten Hotelburgen südwärts zu schlängeln. 

Wir laufen vorbei an vielen schrägen Gestalten und haben beide ein ungutes Gefühl, also sicherlich

kein Strandabschnitt zum gemütlichen Flanieren

So entdecke ich auf meinen Spaziergängen in den nächsten Tagen das kleine Dörfchen Maweni gleich links entlang der Erdstrasse von der Edelweiß Lodge und in einer guten 45 Minuten Runde zurück über die außen an den Hotelanlagen vorbeiführenden Piste.

Die Menschen dort im Dörfchen sind eher zurückhaltend aber sehr hilfsbereit, fröhlich und zuvorkommend wenn ich sie anspreche. Ganz anders wie noch am Tag zuvor, wo man sich eher durch die herumlungernden Beachboys am Strand belästigt fühlte.

Was für ein Unterschied

Nur wenige Gehminuten vom Strand entfernt treffe ich schon auf eine andere Welt, wo sich bestimmt sehr selten ein Muzungu (weißer Fremder) hin verirrt. In den kleinen Lädchen im Dorf kann man alles Lebensnotwendige kaufen und sein tägliches Leben organisieren. Auch fahren mobile Verkäufer mit ihren Waren hochbepackt auf Motorrädern herum und versuchen ihre Sachen an die Frau oder den Mann zu bringen. Von diesem durfte ich aber ohne dafür zu bezahlen kein Foto machen, Geschäft ist Geschäft erklärt er mir und ich lehne dankend ab, an anderer Stelle habe ich dann mehr Glück, aber das kommt in einem späteren Beitrag.

So treffe ich als erstes auf Linet, die Schneiderin, die Ihr im Beitragsbild bewundern könnt. In ihrem kleinen passend rot gestrichenen stickig heißen Miniladen nur mit ihrer alten, aber höchst zuverlässigen Singer Nähmaschine, einem Plastikstuhl, ihrem Sack mit Stoffen, Stoffresten und Musterkleidern, sowie einem Holzbänkchen für Kunden rattert sie Stunde um Stunde vor sich hin, schneidert, bessert aus oder verkauft ihre bunten Stoffe.

Ein einfaches Kleid nähen für umgerechnet nicht mal 0,50€

Das kann jetzt wirklich kein Muzungu Preis sein, sondern entspricht dem reellen Preisniveau auf dem Dorf. Das erfahre ich, als ich am nächsten Tag mit einem Stück Batikstoff wiederkomme, den ich schon längst zu einem Kleid umarbeiten lassen wollte. Auch die nächsten Tage komme ich immer wieder, finde mehrere Näharbeiten die Linet für mich machen kann, von neuen Vorhänge nähen, Kleider umarbeiten bis hin zu bunten Haarbändern aus ihrem Restesack.

Zum Schluß verdopple ich die von ihr verlangte Summe, möchte einerseits nicht das Preisgefüge im Dorf zerstören, auch ihr nicht den Eindruck geben, Muzungus bezahlen immer höhere Preise, aber einfach ihre Arbeit mit einem Zusatz entsprechend honorieren. Sie freut sich riesig …

Schönheit mit Kunsthaar

Gleich nebenan höre ich das Gelächter und Geplapper von mehreren Frauen. Neugierig betrete ich den dörflichen Beauty-Salon. Dort wird in penibler Handarbeit Zöpfchen für Zöpfchen in das krause Haar der schönen Afrikanerinnen gefochten. Gerne wird mit Kunsthaar auch in verschiedenen Farben die Haartracht verlängert. Modern sind grade schreiend bunte Farben, blau, pink, lila, rot etc. Die krausen Haare der Afrikanerinnen erreichen nur eine bestimmte Länge, wie man an den unfertigen Frisuren sehen kann, aber da lange Haare als absolutes Schönheitsideal gelten, wird Strähne um Strähne mit Plastikhaar nachgeholfen.

Als die Damen erahnen, dass ich auch lange Haare habe, wenn auch zusammengezwirbelt und gebunden, wollen sie natürlich gleich auch bei mir Hand anlegen. Ich winke dankend ab. Meine Haare sind zu fein und dünn, ich hatte schon mal 5 Zöpfchen eingeflochten, die wenn der Ansatz nachwächst als Dreadlocks enden und dann nicht mehr zu entwirren sind. Musste sie zum Schluß abschneiden, was mir bei meinen wenigen „Federn“ ein großes Loch im Hinterkopf bescherte. Ich helfe lieber mit den bunten Haarbändern nach, ein neues davon, gerade von Linet genäht, könnt ihr auch auf dem Fotos aus dem Frisörladen bewundern.

Großes Kino gibt es auch auf dem Dorf

Gleich um die Ecke finde ich dann das lokale Kino, gezeigt werden über den PayTV Sender DSTV die neuesten martialischen B-Movies für umgerechnet 0,08€. Auf wie im Kino abgestuften, aber einfachsten Holzbänken ohne Lehne sitz dichtgedrängt die Dorfjugend und der Platzanweiser draußen hat die wichtige Position alles im Überblick zu behalten.

Der Souvenir Handel steht still

Und ein kleines Stück weiter finde ich einen begnadeten Schnitzer der gerade einen Auftrag für Klopapierrollen-Halter fertigstellt. Er hangelt sich jetzt durch die Saure-Gurken-Zeit mit kleinen Auftragsarbeiten, da im Moment sehr wenig Gäste in den Hotels logieren, die seine überaus kunstvollen und originalen Kunstwerke in allen Variationen von klein bis groß kaufen würden. Stolz zeigt er mir seinen winzigen, leider sehr dunklen Laden. Geld für Strom und Licht hat er im Moment keines, so arbeitet er vor seinem Geschäft und zeigt mir stolz seinen Kreationen.

Auch wandere ich jeden Tag an der „Deutschen Schule“ vorbei. Leider ist sie immer geschlossen. Ohne Touristen gibt es keinen Bedarf deutsch zu lernen.

Schaut einfach in meinen Slider für die Impressionen aus dem Dorf Maweni.

Im Beauty Salon entstehen kunstvolle Frisuren

Der coole Platzanweiser vom Dorfkino

Der Holzschnitzer zeigt stolz sein neuestes Werk

Wenn ich ein Haus hätte …

Könnte ich hier als Lehrerin anfangen?

Die schlechteste Ehefrau der Welt

Ein paar Tage später fahre ich mit Hedi, die nicht mehr so gut zu Fuß ist mit dem Tuk-Tuk, den kleinen geschlossenen 3rädrigen Motorrädern importiert aus Indien ins etwas weiter weg gelegene Dorf um mir dort einen neuen Holzkocher zu kaufen. 

Das wird natürlich auch gleich wieder ein Erlebnis. Der Verkäufer des universalen Haushaltswarengeschäft möchte mich vom Fleck weg heiraten und ich muß ihn überzeugen, dass ich eine schlechte Ehefrau abgeben würde. Er glaubt mir nicht so recht, dass ich ihn den ganzen Tag schlagen und hungern lassen würde. Und dass ich sehr geizig sei – mit diesen Argumenten ließ es sich wunderbar handeln und wir einigten uns dann auf einen angemessenen Preis und dass wir die Hochzeit auf später verschieben würden. Definitiv hatten wir alle Drei unseren Spaß.

Der neue Holzkocher

Toyo’s Elektrik spinnt mal wieder

All diese kleinen aber wunderbaren Momente und Begegnungen trösten mich darüber hinweg, daß mir Toyo mal wieder Sorgen bereitet. Auf meiner rechten Seite funktionieren die Rücklichter nicht mehr richtig. Das rote Rücklicht geht gar nicht, das Bremslicht nur in bestimmten Konstellationen – die Blinker nach ein bisschen rumfummeln überhaupt nicht mehr – da ist der Wurm drin.

Uli, das Universal-Genie will mir helfen. Nicht nur, daß er meinen kleinen Kocher, der eigentlich für Holzkohle bestimmt ist, so umbaut, dass ich größere Holzstücke und Äste verheizen kann, nein, er widmet sich auch meinem maroden Rücklicht. Leider ist in der Rücklichteinheit eine Fassung gebrochen und kann auch so nicht mehr gefixt werden.

Also muß eine neue Rücklichteinheit her. Es ist Freitag und die gäbe es nur in Mombasa. Uli kommt an seine Grenzen und leider schafft es der nun dazu geholte Autoelektriker nicht das Teil vor Dienstag zu beschaffen. Mein Toyo ist einfach schon sehr alt und Teile sind nicht sofort und überall verfügbar.

Ich verbringe also noch ein paar Tage übers Wochenende bei Hedi und Uli, nicht dass es mir schwer gefallen wäre, aber technische Probleme an meinem Zuhause drücken immer meine Stimmung und ich fühle mich sofort eingeschränkt und aus meiner Freiheit gestossen.

Das ist natürlich Quatsch, aber das sind halt meine Emotionen und Gefühle, die mich immer wieder triggern und ich muß scheinbar einfach lernen besser damit umzugehen.

Wie dem auch sei, am Dienstag kommen die Rücklichter, ich musste leider Einheiten für beide Seiten kaufen und dann ist es nur noch eine Sache von 2 Stunden bis alles wieder einwandfrei funktioniert. Uli hatte einfach meine Panik geschürt, dass es etwas Komplizierteres sein könnte und alles mögliche andere mit kaputt wäre. Diese Situation lehrt mich wieder einfach mal abzuwarten und mir nicht zu viele Gedanken zu machen.

Leichter gesagt als getan
Toyo ohne Rücklicht

In Afrika gibt es immer eine Lösung

Schlussendlich ist der Toyo wieder einsatzbereit, all meine Wäsche in Hedi’s guter Waschmaschine gewaschen und der Pool ausgiebig genossen.

Lieblingsplatz Edelweiß Lodge

Ein Platz mit Familienanschluß und doch hat man seine Privatsphäre. Von den Grundvoraussetzungen stimmt für mich vieles.

  • Bequemlichkeit: Da ich faul bin, ist es mir sehr recht, wenn ich an einem Platz Stromanschluss habe, um mit meinem Elektrokocher zu kochen. Und Uli zog sein längstes Verlängerungskabel aus seiner reichlich ausgestatteten Werkstatt (wo man übrigens auch als Selbstbastler an Werkzeug immer fündig würde), damit dieses bis zu meinem Schattenbaum reichte.
  • Der wunderbare Pool lädt wirklich ein, die Hitze des Tages zu überstehen und ist auch abends und nachts eine Wohltat.
  • Bäume um meine Hängematte im Schatten aufzuspannen sind reichlich vorhanden.
  • Einkaufsmöglichkeiten: Rundum kann man Grundnahrungsmittel, Obst, Gemüse und Getränke kaufen ohne mit dem Auto losfahren zu müssen.
  • Das Wasser aus dem Garten ist ok zum Duschen, aber zum Kochen konnte ich das Wasser der öffentlichen Wasserversorgung von Hedi aus dem Haus bekommen.
  • Waschmaschine: Hedi hat 2 große Waschmaschinen, die die Gäste mitbenutzen dürfen, auch ist ein Trockner vorhanden.
  • Ruhe: Es gab im Grunde genommen keine große Lärmbelästigung. Der Gebetsaufruf des Muezzins 5 x am Tag war melodisch und gut zu ertragen. Nur die Kirche am Sonntag mit ihren für unsere Ohren aggressiven Predigten störte mich etwas.
  • Umgebung: Für mich war es schön, daß ich bedenkenlos in der Umgebung spazieren gehen konnte.
  • Informationsquell: Hedi und Uli sind ein wahrer Schatz an Informationen, sei es medizinisch oder zu anderen Belangen. Ich habe die Unterhaltungen mit Hedi sehr genossen und man kann wirklich vom Hundersten ins Tausende mit ihr kommen.

Aber auch von diesem Platz muss ich mich lösen und so kann es also weiter gehen, die Küste weiter entlang und neuen Abenteuern entgegen. Ich war schon seit über 30 Jahren nicht mehr an dieser Küstenlinie und bin gespannt was mich erwartet.

Begleitet mich doch einfach weiter zu einer Mangroven Lagune und Sand satt am Indischen Ozean. 

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